Nieren-Check

Niere mit bräunlicher Oberfläche. Im Schnitt mit Nierenrinde und Nierenmark. Nierenkelch mit beginnendem Harnleiter nach unten. Rot: zuführende Arterien, blau: abführende Blutadern.

Was prüfen wir beim Nieren-Check?

Mit Ultraschall werden Lage, Form und Größe der Nieren sowie der abführenden Harnwege untersucht. Es können u.a. Zysten, Tumore, Steine und Harnstauungen erkannt werden.

Im sog. Urin-Status wird der Urin mittels Teststreifen auf Glukose, rote und weisse Blutkörperchen, Eiweiss sowie auf bakterielle Entzündungszeichen (Nitrit) hin überprüft und der pH-Wert des Urins bestimmt. Hiermit ergeben sich gegebenenfalls Hinweisse für Diabetes bei Glukoseausscheidung, Erkrankungen der Niere oder Harnwege bei Blut- und Eiweissausscheidung oder für Entzündungen im Harntrakt.

Im Urin wird ausserdem noch die sogenannte Mikroalbuminausscheidung geprüft. Normalerweise hält die Niere die wertvollen Bestandteile des Blutes wie Glukose, Eiweiss oder Blutzellen über ihren Filter zurück. Wenn dieser Filter durch Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck schaden nimmt, wird er zuerst undicht für kleinste Eiweissbausteine im Blut, Mikroalbumin genannt. Es handelt sich also um einen empfindlichen und wichtigen Test auf Gefäßschäden im Körper insbesondere durch Diabetes und Bluthochdruck.

Schliesslich wird noch Ihr Blut auf seine Konzentration des wichtigsten messbaren Abfallproduktes hin geprüft, dem Kreatinin. Am Kreatininspiegel können wir die Entgiftungskapazität der Nieren ablesen, er ist ein Wert für die Nierenalterung und stellt z.B. auch ein wichtiges Mass für die Indikation zur Dialysetherapie dar.

Anatomie der Nieren

Die beiden bohnenförmigen Nieren liegen im Bauchraum unter der Leber (rechts) bzw. unter der Milz (links), hinter dem Darm, neben der Wirbelsäule und vor der Rückenmuskulatur. Im Stehen sinken die Nieren ein paar Zentimeter nach unten. Bei schlanken Personen können sie auch nach vorne und unten gleiten, so dass man den unteren Teil durch die Bauchdecke fühlt. Vom Rücken her ist die Niere nicht zu tasten. Jede Niere ist etwa 11 cm lang, 6 cm breit, 3 cm dick und wiegt etwa 150 g. Von der Hauptschlagader (Aorta) zweigen 2 Gefäße ab, die die Nieren versorgen. Zwei Venen führen das Blut zurück zur großen Körpervene.

Im Prinzip besteht jede Niere aus 500.000 bis 1 Millionen kleinster Nieren, den sogenannten Nephronen. 
Diese Nephrone kann man nur unter dem Mikroskop erkennen. 
Eine „Mininiere", d.h. ein Nephron, besteht aus dem Nierenkörperchen, den blutführenden winzigen Gefäßen und den Harnkanälchen. Die Nierenkörperchen sind die eigentlichen Filter, die Kanälchen transportieren und verarbeiten den gefilterten Harn.

Die Harnleiter sind keine einfachen Röhren. Sie besitzen vielmehr eine Muskelschicht, die den Harn aktiv in wellenförmigen Bewegungen zur Blase transportiert. Beim Abgang eines  Harnsteines kommt es häufig zu Verkrampfungen dieser Harnleitermuskulatur mit den typischen  Koliken. Auch die Harnblase ist ein Muskelorgan. Sie fasst etwa 0,3 - 0,5 l Harn, kann sich aber bei Behinderung des Abflusses, z.B. durch eine Engstelle in der Harnröhre, erheblich erweitern.

Welche Funktionen haben die Nieren?

Die Niere ist nicht nur Entgiftungsorgan. sondern sie regelt auch die "Pegelstände" des Körpers für Salze, für Wasser und die Höhe des Blutdrucks. Außerdem produziert die Niere Hormone.

Funktionen der Niere

  • Entgiftung

  • Regulation der Körpersalze (Elektrolyte)

  • Regulation der Körperflüssigkeit

  • Regulation des Blutdrucks

  • Hormonproduktion

Mit der Harnproduktion wird der Körper entgiftet und das Gleichgewicht des Körperwassers und der -salze aufrecht erhalten. Die Harnproduktion zerfällt in die 2 Hauptprozesse: Filtration des Harns und seine Weiterverarbeitung.

Zuerst wird Harn in den Nierenkörperchen durch Filtration gebildet, sozusagen aus dem Blut abgepresst. Dies gelingt, weil die winzigen Blutgefäße der Nierenkörperchen wasserdurchlässige Poren haben, im Gegensatz zu praktisch allen anderen Gefäßen. Durch diese Poren werden mit dem Wasser alle Giftstoffe des Körpers, die natürlicherweise im Stoffwechsel entstehen, abgefiltert. 
Bei einer Stoffwindel ist es ähnlich: Wasser und kleinere Substanzen gehen durch, größere Dinge nicht!

Die Poren sind so groß, dass sie alle Giftstoffe durchlassen, aber nicht Eiweiße, Vitamine oder gar Blutzellen, die größer sind. Die Grenze der Porendurchlässigkeit liegt bei einem Molekulargewicht von 5-10.000. 
Findet sich aber doch Eiweiß im Urin, dann ist das ein untrügliches Zeichen, dass die Niere krank ist.

Nach der Filtration wird der Harn weiterverarbeitet. Der Harn fließt also nicht direkt nach dem Filter in die Blase. Ganz im Gegenteil! In den Harnkanälchen wird der Harn so konzentriert, dass nur etwa 1% des filtrierten Wassers und vieler Salze in der Blase erscheinen.

Das bedeutet, dass etwa 99 % des ursprünglich filtrierten Wassers (150 L pro Tag!) zurückgewonnen wird, zusammen mit weiteren wichtigen löslichen Blutbestandteilen wie Zucker und Salze. Die harnpflichtigen, d.h. die zu entgiftenden Substanzen verbleiben im Harn. 
Zu den bisher bekannten harnpflichtigen Giftstoffen gehören z.B. Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure. Die Harnkonzentrierung und damit die Rückgewinnung von Wasser, Salzen u.a. verbraucht viel Energie. 
Wenn die Niere nicht mehr voll leistungsfähig ist, also bei Krankheiten mit Niereninsuffizienz, dann funktioniert auch die Harnkonzentrierung nicht mehr vollständig. Solche Patienten produzieren mehr Urin als normalerweise und müssen daher häufiger z.B. auch nachts, die Blase entleeren.

Für uns alle ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich der Wasser- und Salzgehalt unseres Körpers von Tag zu Tag kaum ändert.

Wir können an einem Tag 5 Liter - hoffentlich alkoholfreies - Bier trinken und am nächsten Tag nur ½ Liter: Weder schwellen wir an dem einen Tag um mehrere Kilogramm an noch trocknen wir an dem anderen Tag aus. Gesteuert durch Hormone und durch das autonome Nervensystem hält die Niere den Wasserpegel des Körpers praktisch immer auf dem gleichen Niveau und gleicht die Urinproduktion der Trinkmenge an. Nur bei Flüssigkeitsmengen über etwa 15 - 20 Liter pro Tag oder unter ½ Liter gerät der Wasserstand aus dem Lot.

Auch der Salzgehalt des Körpers wird durch Niere von Tag zu Tag auf dem gleichen Niveau gehalten. Wir können so die unterschiedlichsten Nahrungen oder Diäten verspeisen, die Niere regelt den Rest. 

Wie schafft es die Niere uns vor einer Überwässerung bzw. Austrocknung und einem Zuviel oder Zuwenig an wichtigen Salzen zu bewahren? 

Erstens wird über Hormone und Einflüsse des autonomen Nervensystems die Menge an Wasser verändert, die von der filtrierten Menge, immerhin 150 L pro Tag zurückgewonnen (rückresorbiert) wird. 
Zweitens kann die Filtration selbst den Erfordernissen angepasst werden. Hier wird z.B. bei sehr wenig Wasserzufuhr die Durchblutung der Niere vermindert und damit der Fluss durch die Glomeruli also die Filterorgane . 

Viele Leser werden sich wundern, dass die Niere auch den Blutdruck regelt. Tatsächlich ist dies der Fall. Zwar hat die Niere nichts mit kurzfristigen Schwankungen des Blutdrucks zu tun, aber mit dem langfristigen, generellen Niveau des Blutdrucks.