Schwangerschafts-Diabetes Gestationsdiabetes Arzt Diabetologe Fulda Künzell

Schwangerschaftsdiabetes

Ca. 1 von 100 Schwangeren entwickelt im Laufe ihrer Schwangerschaft einen Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, die oft nach Entbindung wieder verschwindet.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes?

  • Wer Eltern oder Geschwister mit Diabetes hat.
  • Wer über 25 Jahre alt ist.
  • Wer vor der 12. Schwangerschaftswoche einen BMI > 27 hat (dtl. Übergewicht oder Fettsucht).
  • Bei früheren Schwangerschaften: Geburtsgewicht > 4500 g, Totgeburt, Fehlbildungen, Gestose, Hypertonie oder bereits Diabetes mellitus

Warum ist ein Schwangerschaftsdiabetes behandlungsbedürftig?

Wegen möglicher Komplikationen für Mutter und Kind:

Mutter:
Frühgeburt, Fehlgeburt, zuviel Fruchtwasser, Bluthochdruck, häufiger Kaiserschnitte, Harnwegsentzündungen etc.

Kind:    
Geburtskomplikationen durch vermehrtes Wachstum, verminderte Organreife, Unterzucker nach der Geburt, Risiko für späteres Übergewicht und Zuckerkrankheit.

Wie wird die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ gestellt?

Durch Routinetests mittels einer zu trinkenden Zuckerlösung und anschließenden Blutzuckerkontrollen (75-Gramm-Glukose-Belastungstest, Details siehe unten) bei erhöhtem Risiko (s.o) nach Feststellung der Schwangerschaft, sonst zw. der 24.-28. Schwangerschaftswoche kann zunächst nur die Verdachtsdiagnose gestellt werden. Erhärten muss sich diese durch weitere Laborwerte und durch die Ergebnisse der Selbstmessungen.

Wie hoch darf der Blutzucker in der Schwangerschaft sein?

Eine Zuckerkrankheit in der Schwangerschaft wird mit anderen Zielwerten behandelt als bei nichtschwangeren Diabetikern:

nüchtern und vor dem Essen:                                      unter   90 mg/dl

eine Stunde nach dem Beginn einer Mahlzeit:                  unter 140 mg/dl

zwei Stunden nach dem Beginn einer Mahlzeit:                unter 120 mg/dl

Wie wird ein Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Zunächst durch eine Ernährungsumstellung (Details siehe im Anhang unten): 5-6 kleine Mahlzeiten tgl., Zucker, Fast Food und Süßigkeiten vermeiden, geringe Fettzufuhr, ballaststoffreiches Essen, viel körperliche Bewegung. Die Kontrollen erfolgen durch Selbstkontrollen und monatliche Blutkontrollen in unserer Praxis. Das Wissen über die genannten Punkte wird von unseren qualifizierten Arzthelferinnen vermittelt. Wenn diese Behandlung nicht ausreicht, wird zu den Mahlzeiten eine kleine Menge Insulin gespritzt. Tabletten verbieten sich in der Schwangerschaft. Die Einstellung auf Insulin erfolgt durch unsere Ärzte.

Was ist nach Entbindung zu beachten?

Meist normalisieren sich die Blutzuckerwerte nach der Schwangerschaft wieder, aber das Risiko, an einem dauerhaften Diabetes zu erkranken ist deutlich erhöht. Deshalb gilt:

  • ärztliche Blutkontrollen ca 2-3 Monate nach Entbindung durch den Diabetologen
  • jährliche Blutkontrollen im weiteren Leben durch den Diabetologen
  • engmaschige Blutzuckerkontrollen in der nächsten Schwangerschaft
  • Vermeidung von Übergewicht und viel Bewegung mindert das spätere Diabetesrisiko

Blutzuckerbelastungstest in der Schwangerschaft

Vorbereitungen:

  • mindestens drei Tage vor dem Test viele Kohlehydrate, d.h. viel Nudeln, Reis, Kartoffeln, Brot, Müsli und Obst essen
  • keine bes. körperliche Schonung oder Belastung vor dem Test
  • keine akuten Erkrankungen in den letzten 2 Wochen
  • 12 Stunden vor dem Test nicht rauchen, kein Kaffee, nur klares Wasser trinken, nichts essen

Durchführung:

  • Nüchternblutzucker venös in NaFl-Heparin-Röhrchen abnehmen zur Bestimmung der Plasmaglukose
  • Trinken der Zuckerlösung (75 g Traubenzucker in 300 ml Wasser) innerhalb von 5-10 Minuten
  • eine Stunde bequemes Sitzen im Wartezimmer ohne Essen, Rauchen, körperliche Tätigkeit
  • eine Stunde nach Beendigung des Trinken erneute venöse Blutzuckerabnahme wie oben
  • sollte auch eine Urinuntersuchung geplant sein, bitte die Urinprobe vor dem Trinken der Glukoselösung abgeben.

Auswertung:

Die Diagnose Gestationsdiabetes ist wahrscheinlich, wenn:

  • Blutzucker nach einer Stunde > 160 mg/dl beträgt
  • Nüchternblutzucker über 90 mg/dl, dann ist die Diagnose noch wahrscheinlicher

 

 

Ernährungsregeln bei Diabetes mellitus

Insbesondere dann, wenn Diabetes mellitus mit Übergewicht auftritt, setzen wir die "Insulintrennkost" ein. Teilweise und gezielt je nach Situation können wir diese Ernährungsweise auch in der Schwangerschaft nutzen.

 

Insulintrennkost, was ist das?
Nichts verteidigt unser Körper beim Versuch abzunehmen so hartnäckig wie seine Fettreserven, diese Eigenschaft ist tief in unseren Überlebensgenen fixiert und macht uns das Pfunde verlieren so schwer. Doch mit relativ wenigen Veränderungen im Essverhalten und vor allem ohne Hunger können Sie mit der „Insulintrennkost“ dauerhaft abnehmen und Ihr Gewicht dann auch halten.

Ziel der Ernährungsumstellung (wir sprechen bewusst nicht von „Diät“, denn es geht um das Umstellen auf ein anderes Essverhaltens) ist die Trennung zwischen den Tagmahlzeiten und der Abendmahlzeit in Bezug auf ihre Insulinreaktion.

Eine Betonung der Stärkekohlenhydrate am Tage (mit guter Sättigung und deutlicher Insulinreaktion)  steht einer eiweissbetonten und kohlenhydratarmen Abendmahlzeit gegenüber. Diese Abendmahlzeit geht mit einer geringen Insulinantwort einher und begünstigt die nächtliche Fettverbrennung. Denn während wir tags hauptsächlich Kohlenhydrate zur Energiegewinnung verbrennen, wird nachts (hormonell und durch unseren Biorhythmus gesteuert) Energie zu 70 % durch Fettverbrennung gewonnen.

Nächtliche Insulinspiegel durch eine üppige und kohlenhydratreiche Abendkost verhindern die nächtliche Fettverbrennung dagegen und machen eine dauerhafte Gewichtsabnahme unmöglich.

 

 

Darüber hinaus gilt bei Diabetes mellitus in der Schwangerschaft:

 

Vermeiden, was den Blutzucker schnell hochtreibt:

  • Kuchen, Kekse, Torte, Schokolade, Kakao, Haushaltszucker, Fruchtsäfte, Limonaden, Marmelade, Gelee, sonstige Süßigkeiten
  • Nahrungsmittel mit folgenden Inhaltsstoffen (Zusammensetzung lesen!): Zucker, Fruktose, Fruchtzucker, Glukosesirup, Dextrose, Honig, Maissirup, natürliche Süßstoffe, Maisstärke, Fruchtsaftkonzentrate. Diese Stoffe sind besonders enthalten in: Fertiggerichten, Ketchup, Soßen, Tiefkühlgerichten, Fast Food wie Hamburger, Hotdogs, Kartoffelchips etc.

 

Weniger fett essen, weil Fett und Übergewicht die Zuckerkrankheit fördert:

  • magere eiweißhaltige Nahrungsmittel bevorzugen: Hühnchen, Roast Beef, Putenfleisch, Schinken, Fisch, Quark, Joghurt
  • Vermeide: Leberkäse, Speck, Würstchen, Hot Dogs, fette Käsesorten
  • sichtbares Fett entfernen: Haut von Geflügel, Fettschwarte von Fleisch, Fett auf erkalteten Soßen etc.
  • fettarm zubereiten: in Folien garen, beschichtete Pfannen nutzen, grillen, dünsten
  • wenig zusätzliches Fett wie: Butter, Margarine, Sauerrahm, Mayonnaise, Sahne, Schmierkäse, Salatdressings etc.

 

 

Ballaststoffreich essen, weil dies den Blutzuckeranstieg beim Essen mindert:

Erlaubt, auch um sich satt zu essen, sind: Kartoffeln, Reis, Nudeln und dunkles Brot, am besten als Vollkornprodukte. Erlaubt sind auch frisches und tiefgekühltes Gemüse, Bohnen und Hülsenfrüchte, frisches Obst in kleineren Portionen (nicht aus Konserven)

 

 

Lebensmittel zur freien Verfügung:

Tomaten, Pilze, Radieschen, Salat, Zwiebeln, Fenchel, Kohl, Spinat, Zucchini, Sellerie, Grüne Bohnen, Schlangengurken, Chicoree, Broccoli

 

 

Süßstoffe und "Diabetikerkost"

Cyclamat (z.B. Natreen), Aspartame und Acesulfam (z.B. Canderel oder Nutrasweet) sind unbedenklich (nicht in großen Mengen verzehren). Auch wenn Produkte gekennzeichnet sind als „für Diabetiker geeignet“, weil mit Zuckerersatzstoffen oder mit Fruchtzucker oder anderen Zuckern zubereitet, erhöhen sie den Blutzucker und sind zu berücksichtigen!

 

 

Alkohol:

Alkohol ist in höherer Konzentration ein Zellgift und ab einer Mindestdosis schädlich. In der Schwangerschaft sollte gänzlich auf Alkohol (wie auch auf Zigaretten) verzichtet werden. Außerhalb der Schwangerschaft sind bis zu 150 ml trockener Wein oder ein Diabetikerbier 0,33 l täglich aber erlaubt. D.h.: Dosis nicht überschreiten! Aufpassen: Alkohol kann auch Unterzuckerungen verstärken (bes. in Kombination mit Tabletten oder Insulin)!