Bandscheibenvorfall

Folgende Bemerkungen ersetzen nicht die ärztliche Untersuchung!

Bandscheibenvorfälle sind in der Hausarztpraxis ein häufiges Problem. Die modernen diagnostischen Mittel wie die Computertomografie (CT) erlauben eine schnelle (und teure) Diagnosestellung. Die körperliche Untersuchung lässt bereits recht zuverlässig einen Bandscheibenvorfall erkennen. Auch wenn nur ca. 10 % derselben operativ behandelt werden müssen, ist die Sicherung der Diagnose (z.B. mit CT) aus formalen Gründen jedoch oft unumgänglich, weil sich der Behandlungsverlauf von dem anderer Rückenschmerzen unterscheidet. So dauert die Therapie des BSV mit Reha-Phase oft 6-12 Wochen, ob mit oder ohne Operation.

 

Was ist eigentlich ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheibe ist eigentlich keine Scheibe, sondern ein faserförmiger Ring, der innen gefüllt ist mit einer Gallertmasse. Hinter der Bandscheibe liegt das Rückenmark mit den nach rechts und links abgehendenden Nervenwurzeln, die dann in Arme, Brust, Bauch und Beine verlaufen. Der Faserring unterliegt einem gewissen Verschleiß und neigt zu Einrissen. Dann dringt die Gallertmasse meist nach hinten hervor und drückt gegen das Rückenmark oder gegen eine Nervenwurzel, was zu teils heftigsten Schmerzen führt. Im weiteren Verlauf trocknet und schrumpft die Gallertmasse ein, am Faserring-Einriss kommt es zur Narbenbildung und der Druck auf den Nerven lässt allmählich nach.

 

Wer ist wo betroffen?

Bandscheibenvorfälle kommen bereits bei Jugendlichen vor, es gibt sie praktisch in allen Lebensabschnitten bis ins hohe Alter. Eine Häufung gibt es bereits um das 30. Lebensjahr. Am allermeisten ist der untere Lendenwirbelsäulenabschnitt betroffen mit Befall der Nervenwurzeln der Beine, eine kleinere Gruppe betrifft die Halswirbelsäule mit Armbeschwerden, sehr selten kommen BSV im Brustwirbelbereich vor.

 

Wann ist eine Operation angeraten?

Wenn der Nerv tangiert wird, kommt es zunächst zu Schmerzen und Kribbelerscheinungen im betroffenen Abschnitt von Arm oder Bein. Mit zunehmendem Druck lässt dann auch die Kraft nach. Operiert wird, wenn Lähmungserscheinungen auftreten, die durch medikamentöse Mittel nicht weggehen oder wenn die Schmerzen durch nicht operative Verfahren (Schonung, Stufenbett, Wärme, Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Krankengymnastik) nicht in den Griff zu bekommen sind.

 

Wie ist der Verlauf für die Zukunft?

Oft schließt sich an die Akutphase eine Reha-Maßnahme an, die in den allermeisten Fällen wieder die Aufnahme der alten Arbeit ermöglicht. Selten ist eine Umschulung oder Umbesetzung am Arbeitsplatz erforderlich. Die meisten Menschen leben wieder schmerzfrei, viele haben durch ihre Erkrankung gelernt, mit Rückenschmerzen umzugehen. Regelmäßiges Rückentraining und richtiges Bewegungsverhalten spielen für eventuelle Rückfälle eine große Rolle. Siehe dazu unseren Ratgeber „Rückenschmerzen“.

 

Vgl. auch Chirotherapie und Akupunktur