Kinder auf Reisen, Reisemedizin Arzt Hausarzt Fulda Künzell

Kinder auf Reisen

In den letzten Jahren begleiten immer mehr Kinder unterschiedlichen Alters ihre Eltern auf Fern- und Abenteuerreisen. Einige Reiseveran­stalter bieten spezielle Kindertarife und einen Kinderbetreuungsservice z.B. im Rahmen eines Cluburlaubes auch in tropischen und subtropi­schen Ländern an.

DieseSeite soll Ihnen einige wichtige Hinweise geben, wie Sie mit Ihren Kindern sinnvoll reisen, sich erholen können und Ihre Kinder dabei vor unnötigen Risiken schützen können.

 

Wie alt  sollte ein Kind für die Reise sein?

Sicherlich gibt es da keine eiserne Regel. Bedenkt man, dass Kinder in den Tropen einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, so sollten Kleinkinder eher in Europa verreisen.

Schulkinder und ältere werden eher die Vielfalt der tropischen Flora und Fauna erleben und erforschen wollen. Hier sollten die Eltern bereits vor Reisebeginn anhand von kindgerechten Bilderbüchern auf die Schönheit, aber auch Risiken der neuen Umgebung hinweisen.

 

Welches Land ist denn sinnvoll?

Kinder passen sich relativ einfach an ver­schiedene Zeitzonen an. Neben Europa und dem Mittelmeerraum sind Ziele in Nordamerika, der Karibik und Australien eher zu empfehlen als Malaria-Regionen wie Teile Südostasiens, Südamerikas. Das tropische Afrika ist für Kinder sicherlich ungeeignet

 

Tipps vor Abreise

  • Wählen Sie ein Reiseziel, das auch den Kindern gefällt, fragen Sie sie vorher!
  • Last-Minute-Reisen ist Stress für alle und zu dessen Minderung fahren Sie doch eigentlich in Urlaub.
  • Überprüfen Sie Ihren Impfstatus und den Ihrer Kinder (und den Ihres Partners). Hierzu bieten lesen Sie bitte unseren Ratgeber: „Kinderimpfungen“.
  • Fragen Sie Ihren Haus-/Kinder- oder Tropenarzt, ob für Ihr Reiseland besondere Vorsichtsregeln/Impfungen empfohlen werden. Lesen Sie unter Ratgeber Reisemedizin „Auslandsimpfungen“!
  • Bereiten Sie Spiele zur Überbrückung von Wartezeiten oder langen Reisezeiten vor. Je nach Alter können das utensilienfreie Ratespiele ("ich weiß was, was Du nicht weißt, und das ist...", "alle Finger fliegen hoch", Tiere-Raten mit Reisezielbezug etc.) aber auch Malstifte/Papier, Bilderbücher,  Walkmann mit Kassetten/CD etc. sein.
  • Nehmen Sie nicht schmierende, fettarme Naschereien/Getränke mit.
  • Haben Sie die richtigen Kindersitze?

 

Tipps zur Reise

  • Machen Sie auf Autoreisen alle 2 Std. eine kurze Pause, um dem Aktivitätsdrang der Kinder zu entsprechen.
  • Bei Flugreisen: Gehen Sie bei langen Check-in-Warteschlangen mit den Kindern in einen  ruhigen Abschnitt des Airports, während der andere Elternteil  für die Familie eincheckt.
  • Nutzen Sie 10 Min. vor Start und Landung das kindliche Nasenspray und lassen Sie Ihr Kind in aufrechter Position trinken (ältere Kinder lutschen Bonbons), so vermeiden Sie Ohrenschmerzen aufgrund von Luftdruckunterschieden in der Kabine, Ohrentropfen sind hier nicht sinnvoll.
  • Kinder sollten während des Fluges viel trinken, so beugen Sie Halsschmerzen und trockenem Reizhusten vor. Aufgrund der niedrige Luftfeuchtigkeit beim Flug und der im Verhältnis zu Größe und Gewicht großen Körperoberfläche verlieren Kinder mehr Flüssigkeit.

 

Kinder wollen spielen, Strand und Tiere !

In warmem Wasser und bei sonnigem Wetter am Strand fühlen sich nicht nur Kinder am wohlsten. Natürlich benötigen Kinder unter starker Sonneneinstrahlung einen Hut, ein T-Shirt, Badeschuhe und einen möglichst wasserfesten Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor > 15, der mindestens 20 Minuten vor der Exposition aufgetragen sein sollte. Welches Produkt hier besonders geeignet ist, hängt vom Hautempfindlichkeit und -typ ab.

Kindern haben einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, der durch Hitze und/oder Durchfallerkrankungen (s. u.) schnell  mehrere Liter am Tag betragen kann. Als grobes Maß kann die Urinfarbe gelten, sie sollte - wie von zuhause gewohnt  - hell gelb sein.

Bieten Sie industriell hergestellte Getränke (z. B. mit Mineralwasser verdünnte Fruchtsäfte) ohne Eiswürfel an.

Neugierig stecken besonders Kleinkinder vieles in den Mund und berühren Unbekanntes mit den Händen. Darminfektionen und Hautverletzungen werden so begünstigt.

 

Insektenstiche sind sehr lästig

Insektenstiche bei Kindern können sehr hartnäckig sein, sich sekundär bakteriell entzünden. Sie können im Reiseland infektiös sein. Daher ist ein konsequenter Mückenschutz unerlässlich.

  • Helle, nicht leuchtende Kleidung anziehen. Grelle und vielfarbige Hemden locken Insekten an.
  • Wind vertreibt Insekten; also luftige Stellen auf der Terrasse, am Strand oder Spielplatz suchen; abends Ventilator benutzen.
  • Insektenabwehrmittel tagsüber erst nach Einreiben mit Sonnenschutz auftragen und ggf. alle 4-6 Std. erneuern.
  • Abends/nachts großräumige Moskitonetze verwenden, falls keine funktionstüchtige Klimaanlage vorhanden ist.
  • Räucherspiralen (sog. Moskito-Coils) nachts unter das Bett stellen und für Lüftung sorgen, um möglichen Atem­wegsreizungen vorzubeugen.
  • Insektenköder/-strips sowie elektrische Verdampfer sind wegen der möglichen Verwechslung mit Spielzeug ungeeignet.

 

Wenn nun Stiche da sind ?

Örtliche Kühlung, Sonnenschutz und anschlie­ßend reizlindernde Cremes sind sinnvoll, gelegentlich wird zur Nacht nur eine gering steroidhaltige Creme den Juckreiz lindern können und so vor Kratzen und neuerlicher Infektion schützen.

 

Durchfall - nicht ganz so selten

Es gibt viele Ursachen einer Magendarm­verstimmung. Bei Fieber, Bauchkrämpfen, mas­sivem Flüssigkeitsverlust/Erbrechen oder Dauer über 3 Tage sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Bedenken Sie, dass fieberhafter Durchfall bei Kindern das einzige Malaria-Symptom sein kann.

Fehlen o. g. Symptome, so ist häufig ein Flüs­sigkeitsersatz mit der von der WHO empfohle­nen ORS-Lösung ausreichend.

Als Richtgröße nach jedem durchfallartigen Stuhl kann gelten:

 

 Kinder < 2 J.:        1/4-1/2 Tasse =     50-100 ml

 Kinder 2-10 J.:      1/2-1 Tasse    =   100-200 ml

 Kinder > 10 J.:             2 Tassen  =         400 ml

 Erwachsene :               2 Tassen  =        400 ml

 

Eine Stuhluntersuchung nach Rückkehr ist ratsam.

 

Malaria vermeiden

Berücksichtigen Sie bei der Reisezielauswahl, ob das Reiseland frei von Malaria ist.

Ist dies nicht möglich, so sind neben einem Insektenschutz vor allem ab 17 Uhr und nachts, die im Erwachsenenalter üblichen Malaria-medikamente (außer Doxycyclin) in der für Kinder empfohlenen Dosis einsetzbar. Ab­gesehen vom Chloroquin ist leider keines der Medikamente in kindgerechten Zubereitungen erhältlich. Die Tabletten müssen also ggf. gemörsert mit Essen oder Flüssigkeit vermengt gegeben werden. Gestillte Babys bedürfen ebenfalls einer Medikation, da die Prophylaxe nicht ausreichend über die Muttermilch übertragen wird. Kontraindikationen entsprechen denen bei Erwachsenen.

 

Reiseapotheke für Kinder

  • Dauermedikation, falls nötig
  • Sonnencreme LSF > 15
  • Mückenschutz
  • Moskitonetz, Splitterpinzette, Pflaster
  • Juckreizstillende Insektenmittel
  • Nasenspray/-tropfen
  • Paracetamol Saft (keine in der Wärme schmelzende Zäpfchen)
  • ORS-Lösung
  • Lactulose Pulver bei Verstopfung